Weniger Fragen – mehr Verbindung
Zum Leidwesen vieler Eltern beantworten viele Kinder Fragen, z.Bsp. wie die Frage: wie war es in der Kita / Schule – mit einem Schweigen oder einem kurzen „gut“ oder „wie immer“.
O-ton eines Vaters: Ich habe das Gefühl, dass die anderen Kinder viel mehr erzählen und wenn es die Gespräche mit den anderen Eltern oder keine Elternabende gäbe, wüsste ich gar nicht, was in Kita oder Schule ansteht
In diesem Beitrag geht es um eine überraschende Erkenntnis: Nicht jede Frage schafft Nähe. Manchmal ist es gerade die Frage selbst, die uns voneinander entfernt – während Verbindung einen ganz anderen Weg eröffnet.
Verbindung schaffen
Vertrauen
Wer vertraut, öffnet sich.
Doch wie können Eltern dieses Vertrauen aufbauen?
- Indem sie von Geburt an, die Beziehung zu ihrem Kind stärken. Einen Beitrag zum Thema Beziehung stärken, findet ihr hier
- Indem sie vertraulich mit Erlebnissen, Gefühlen, Wünschen, kurz allem was das Kind betrifft, umgehen. Das bedeutet, nicht einfach etwas weitererzählen.
- Indem sie statt über das Kind zu sprechen, das Kind mit einbeziehen und mit dem Kind sprechen
- indem sie sich über Erzähltes nicht lustig machen, das Kind nicht beschämen, kurz dem Kind zuhören und es nicht bewerten
- indem sie dem Kind Feedback geben und es nicht kritisieren
- indem sie Konsequenzen einsetzen und keine Strafen
- indem sie wertschätzend mit dem Kind reden und es nicht auslachen, beschämen…..
- indem sie eine entspannte Atmosphäre schaffen
Verständnis
Wer sich auch in Konfliktsituationen verstanden fühlt und mutig erzählen darf, auch wenn die Eltern anderer Ansicht sind, öffnet sich leichter.
Doch wie zeigen die Eltern dem Kind, dass sie Verständnis haben?
- Indem sie sich für das Erzählte interessieren
- indem sie das Gehörte verstehen wollen, auch wenn sie eine andere Ansicht haben
- indem sie gezielt nachfragen, wenn das Kind erzählt
- indem sie präsent sein, sich mit aller Aufmerksamkeit dem Kind zuwenden
- indem sie keine Partei ergreifen, weder für das Kind noch für andere, sondern vielmehr, das Kind anregt, eigene Lösungen zu finden und das Kind fragen, welche Hilfe es von ihnen wünscht.
aktiv zuhören
Wer erfährt, dass der andere zuhört, nachfragt um zu verstehen, der kann sich selbst besser reflektieren und eigene Lösungen finden
Doch wie hören Eltern aktiv zu?
- indem sie sich ganz auf das Kind einlassen, eigene Gedanken zur Seite schieben
- indem sie das Kind anschauen
- indem sie Interesse an dem haben, was das Kind erzählt
- indem sie dem Kind seine Gefühle und das Erzählte wiederspiegeln
- indem sie sich dem Kind zuwenden
- indem sie offene Fragen stellen ( siehe Abschnitt weiter unten über Fragen)
- indem sie zuhören ohne Ratschläge zu geben, denn häufig wollen Kinder einfach nur erzählen.
Doch nicht immer haben Eltern den Kopf frei, um dem Kind zuzuhören. Kinder spüren das. Daher ist es sinnvoller, dem Kind mitzuteilen, dass einen gerade selbst soviel beschäftigt und man deshalb selbst erst einmal abschalten möchte. In diesem Fall dem Kind einen Zeitpunkt oder Gelegenheit in naher Zukunft nennen, wann es erzählen kann. Bei wichtigen und dringenden Angelegenheiten sollten Eltern ihren Kindern sofort zuhören. Auch wenn die Kinder klein sind, können sie oft Erzählungen nicht einfach verschieben.
Gleichwertigkeit
Wer das Gefühl hat, dass der andere auf Augenhöhe mit ihm kommuniziert, öffnet sich leichter.
Gleichwertigkeit bedeutet nicht Gleichberechtigung. Gleichwertigkeit bedeutet, dass alle mit der gleichen Achtung und Respekt behandelt werden. Kinder sind jedoch nicht gleichberechtigt, da Eltern die Elternverantwortung tragen. Sie haben die Aufgabe, ihre Kinder alters- und entwicklungsgerecht vor großen Gefahren zu schützen und ihnen eine klaren und stabilen Rahmen zu bieten, indem sie sich gut entwickeln können. Näheres hierzu findet ihr hier
Wie schaffen Eltern Gleichwertigkeit?
- die Einstellung bzw Haltung spielt eine Rolle. Gehen Eltern davon aus, dass Kinder ihren eigenen Entwicklungsweg und Lebensweg in sich tragen, begleiten sie ihre Kinder, ohne diese in einen anderen Lebenweg pressen zu wollen. Bei Entscheidungen fragen sie sich, was braucht dieses Kind, um sich seinen Entwicklungsplan gemäß entwickeln zu können und nicht, wie möchte ich, dass sein Weg aussieht und wie mache ich es für mich leicht.
- indem Eltern ihre Kinder nicht aushorchen und „verhören“, sondern sich für sie interessieren, ihnen aktiv zuhören und akzeptieren, wenn sie gerade nichts erzählen möchten.
- indem sie ihre Kinder in Entscheidungen, die sie betreffen altersgemäß mit einbeziehen. Wobei Eltern den Aspekt der Gesundheit und Entwicklung des Kindes im Blick haben und die letzten Entscheidungen treffen.
- indem die Eltern auch sich selbst und ihre Bedürfnisse ernst nehmen und den Kindern mitteilen. Wenn sie bsp gerade nicht zuhören können oder Zeit für sich brauchen. Näheres findet ihr hier.
- indem die Eltern sich entschuldigen, wenn sie falsch reagiert oder gehandelt haben
- indem Kritik und Diskussionen der Kinder erwünscht sind und angehört werden, Eltern ihr Verhalten oder Entscheidungen auch verändern, wenn iher Kinder sie überzeugt haben.
- indem die Eltern den Kindern ihre Entscheidungen erklären
- indem die Eltern Feedback geben, statt loben oder kritisieren. Wenn ich einen anderen lobe oder kritisiere stelle ich mich über ihn. Nach dem Motto: ich sage dir jetzt mal, was gut oder schlecht ist. Natürlich haben Eltern auch die Aufgabe, den Kindern zu sagen, wenn ein Verhalten nicht in Ordnung war und sie dabei zu unterstützen, es zu korrigieren. Hierbei ist ein Feedback hilfreicher als loben oder kritisieren.
- Indem Eltern kindgerecht auch von sich etwas erzählen, die Kinder an eigenen Erlebnissen teilhaben lassen und die Kinder kindgerecht ihre eigenen Gefühle mitteilen, so dass Kinder ihre Eltern als nahbar erleben. Natürlich sollten die Eltern nicht ihre Probleme den Kindern erzählen.
Gelegenheiten schaffen
Sich öffnen braucht neben dem Vertrauen auch den Raum. Häufig sind Kinder tagsüber mit ihrem Tun, ihrer Neugierde beschäftigt. Sobald es auf den Abend und das Einschlafen zugeht, fallen ihnen all die Erlebnisse des Tages ein und sie streben danach, diese zu erzählen. Auch wenn es für Eltern oft anstrengend ist, lohnt es sich die Abendzeit zu investieren, da sie einiges über ihre Kinder erfahren. Wenn Kinder diese Zeit bereits in jungen Jahren bekommen, steigt die Chance, dass sie auch in der Pubertät und später ihren Eltern berichten.
Eine weitere gute Möglichkeit ist es, wenn ein Elternteil alleine mit dem Kind Zeit verbringt, Ausflüge macht. Zum einen stärkt es die Beziehung, zum anderen gibt es dem Kind die Möglichkeit zu erzählen. Die Ausflüge sollten die Interessen beider berücksichtigen und das Kind in die Auswahl mit einbezogen werden. Auch sollten die Eltern das Kind nicht ausfragen und den Ausflug für eine Handy-Pause nutzen.
Familienrunden / Familienkonferenzen schaffen Gelegenheiten in denen jeder etwas erzählen kann, Positives wie Negatives und alle ohne zu unterbrechen zuhören.
Zeit
Es öffnet und erzählt sich leichter, wenn man spürt, dass Zeit vorhanden ist, um in Ruhe zu erzählen. Oft brauchen Kinder Zeit, um die eigenen Gedanken zu sortieren.
Kinder spüren, ob die Eltern Zeit zum zuhören haben oder in Gedanken bereits bei der nächsten Unternehmung sind.
Kinder nehmen sehr die Stimmungen ihrer Eltern auf, spüren daher auch, ob diese Zeit und Lust zum zuhören haben. Daher sollten Eltern wenn sie gerade nicht zuhören können, dies ihren Kindern lieber mitteilen und sagen, wann sie ihnen zuuhören können. Dies gilt natürlich nur, wenn die Kinder bereits etwas älter sind und nichts Belastendes erzählen wollen.
Respekt
Wer spürt, dass er respektiert wird, wie er ist und nicht, wie er sein sollte, kann sich leichter öffnen. All die voran genannten Punkte sind hier ebenfalls wichtig.
Wann spürt das Kind, dass es respektiert wird
- wenn das Kind in Entscheidungen, die es betreffen, miteinbezogen werden
- wenn sie erfahren, dass ihre Eltern Fehler zugeben und sich entschuldigen können
- Wenn sie ausreden dürfen
- wenn die Eltern respektvoll mit ihnen umgehen.
- wenn die Eltern ihnen ein Feedback geben, statt sie zu kritisieren oder zu loben
- wenn Erzähltes nicht bewertet und an andere Menschen weitererzählt wird
- wenn sie erfahren, dass Fehler zum Leben gehören und die Eltern ihnen helfen, eigene Lösungen zu finden
Fragen
Fragen, die sich wie ein Verhör anfühlen, sind meist kontraproduktiv. Genauso wie Fragen, die zwar gestellt werden, um eine Verbindung zum Kind herzustellen, der Zuhörende dann jedoch nicht zuhört. Bsp.: Kind darf nicht aussprechen, sondern bekommt direkt die nächste Frage. Oder dem Kind wird immer wieder dieselbe Frage gestellt, ohne die Antwort wahrzunehmen.
Wenn Kinder Fragen stellen, diese ernst nehmen und kindgerecht beantworten. Immer nur diese Frage beantworten, Kinder fragen weiter, wenn die Antwort ihnen nicht ausreicht. Doch Kinder schützen sich auch, indem sie nach einer Antwort aufhören zu fragen, weil die Auskunft für ihren aktuellen Entwicklungsstand ausreichend ist.
Wenn Eltern die Antwort selbst nicht kennen, können sie dies dem Kind mitteilen und sich mit ihm gemeinsam auf die Suche nach der Antwort machen.
Es kann natürlich auch sein, dass das Thema den Eltern peinlich ist (Beispiel: Aufklärung, Tod ). Zum einen sollte Eltern bewusst sein, dass wenn sie mit den Kindern auch schwierige Theman besprechen, sie entscheiden, wie die Kinder informiert werden. Sonst suchen die Kinder die Antworten an anderer Stelle. Doch Eltern können auch auf Bücher zurückgreifen und das Thema gemeinsam mit den Kindern angehen. Vielleicht gibt es auch im Umfeld der Familie einen vertrauten Menschen, der diese Themen mit dem Kind besprechen kann. Eltern können ihren Kindern sagen: „ein wichtiges Thema. Mir fällt es schwer, darüber zu sprechen. Wollen wir ….. fragen ob sie oder er mit dir darüber reden möchte? Oder wollen wir schauen, welche Bücher dir Antworten geben können.“
Welche Fragen öffnen Türen?
- offene Fragen. Offene Fragen können nicht mit ja oder nein beantwortet werden. Hierunter fallen die W- Fragen. Achtsam sollte man jedoch bei Warum- Fragen sein, denn sie klingen häufig nach Anklagen.
- offene Fragen können auch sein: magst du erzählen
- gezielte Fragen stellen: was war heute schön in der Kita
- dem Kind auch vom eigenem Tag erzählen,
Bewegung
Bewegung bringt in uns etwas in Bewegung. Gedanken können so ins Fließen kommen.
Leichter erzählt es sich oft, wenn Eltern dabei mit ihren Kindern etwas Angenehmes unternehmen und ohne Erwartungen, den Raum schaffen, wenn Kinder erzählen möchten. Gemeinsame Spaziergänge, genauso wie gemeinsames Backen, basteln… können hier hilfreich sein.
Was wenn Kinder trotzdem schweigen
Recht auf Privatsphäre
Zu erst einmal steht auch Kindern eine Privatsphäre zu und wenn sie nichts erzählen wollen, ist es ihr Recht. Kinder haben auch das Recht, Geheimnisse zu haben. Natürlich nur unter der Bedingung, dass es gute Geheimnisse sind und nichts, was das Kind belastet. Doch auch wenn es schlechte Geheimnisse sind oder die Eltern das Gefühl haben, dass das Kind etwas bedrückt, öffnet sich das Kind eher wenn die Eltern erst Verbindung schaffen.
Hier und Jetzt
Kinder befinden sich im Hier und Jetzt. Daher kann vergangenes einfach keine Rolle mehr für sie spielen. Häufig kommen Erlebnisse in ruhigen Momenten hoch.
andere Prioritäten
Kinder haben andere Prioritäten als die Eltern. Was sie gegessen haben oder welche Aktion in der Kita / Schule stattgefunden hat, ist für sie vielleicht nicht so wichtig und sie erinnern sich nicht.
Fragen
Fragen ohne dass eine positive Verbindung besteht, bzw Fragen, die ohne eine Verbindung gestellt werden, gleichen oft einem Verhör. Und wer lässt sich gerne ausfragen.
Basis schaffen
Eltern schaffen eine gute Basis, wenn sie eine verlässliche Bindung zu ihrem Kind von Geburt an aufbauen. Indem die Eltern den Kindern ihre Bedürfnisse und Gefühle wahrnehmen und spiegeln. Je kleiner das Kind ist, desto wichtiger ist es, dass die Eltern die Bedürfnisse ihres Kindes erfüllen. Weitere Inhalte zum Thema Bedürfnis oder Wunsch findet ihr hier
Von Geburt an, können die Eltern ihrem Kind viel erklären und an ihrem Tun teilhaben lassen.
Keine perfekten Eltern
Kinder brauchen keine perfekten Eltern, sondern Eltern, die sie sehen und immer wieder eine Verbindung zu ihnen herstellen. Es gibt vielfältige Gründe, weshalb Eltern manchmal ihren Kindern nicht das mitgeben konnten, was es in dieser Entwicklungsphase von ihnen benötigte. Denn Kinder begleiten findet immer im realen Leben statt. Dann ist es hilfreich, sich dies bewusst zu machen, vielleicht gibt es eine vertraute Person, die dies zeitweise übernehmen kann. Außerdem können Eltern durch Reflektion ihr Verhalten verändern und wie in einem Mobilee verändert sich alles. Manchmal ist es als Eltern schwer, zu erkennen, was das Kind benötigt oder Eltern haben anders reagiert, als sie sich das gewünscht hätten. Dann können die Eltern sich beim Kind entschuldigen und dem Kind das eigene Verhalten erklären, um wieder eine Verbindung herzustellen.
Wobei auch hier gilt, dass die Eltern die Aufgabe haben, ihre Kinder zu schützen. Bevor sie daher überreagieren, das Kind an einen sicheren Platz legen und ihm sagen, dass sie kurz den Raum verlassen, um selbst ruhig zu werden.
Eltern, die ihre Kinder ernst nehmen, sich selbst in Frage stellen und eigenes Verhalten reflektieren, erklären und korrigieren, stellen immer wieder die Verbindung zu ihren Kindern her.
Auch eine Entschuldigung, wenn Eltern merken, dass sie falsch reagiert haben, verbindet wieder mit dem Kind.

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