Mit der Geburt eines Kindes werden die Eltern geboren. Mit Kindern verändert sich das Leben von Grund auf. Dieses kleine Wesen ist gerade in den ersten Lebensjahren vollkommen von der Fürsorge seiner Eltern abhängig. Der Tag- und Schlafrhythmus, die Essenzeiten, und vieles mehr wird für die Eltern durcheinander gewirbelt.
Auch emotional gerät alles in Bewegung, durch Hormone, die ausgeschüttet werden und durch dieses Kind, das uns anvertraut ist, um das wir uns sorgen, das wir lieben und dem wir das Beste mit ins Leben geben wollen. Auf der anderen Seite treten vielleicht nicht sofort oder immer die Gefühle auf, die wir erwartet haben oder die uns von außen suggeriert werden.
Auch wenn Eltern mit der Geburt eines Kindes Eltern werden, braucht es Zeit, um in diese Rolle hineinzuwachsen. Im Grunde wachsen wir ein Leben lang mit unseren Kindern, denn genauso wie diese ihre Entwicklungsstufen durchlaufen und von uns in jeder Entwicklungsstufe einen anderen Umgang benötigen, verändern sich auch die Lebensabschnitte der Eltern. Näheres dazu ist hier zu finden
Bewusst Sein macht den Unterschied
Jeder Mensch war selbst einmal Kind und trägt mit sich einen gefüllten Rucksack. Einen Rucksack, der mit positiven und negativen Erlebnissen, Erfahrungen, Werten und Glaubenssätzen aus der eigenen Kindheit und mit den Lebenserfahrungen gefüllt ist. Im Laufe des Lebens packen wir diesen Rucksack mit neuen Erfahrungen, Werten und lassen alte Glaubenssätze, Werte los.
Wenn Paare Eltern werden, bringt jeder seinen individuellen Rucksack mit. Eltern haben häufig bewusste oder unbewusste Vorstellungen davon, was sie ihren Kindern aus dem Rucksack mitgeben wollen und was sie ihnen davon ersparen möchten. Doch in beiden Fällen handeln Eltern aus ihren eigenen Kindheits- und Sozialisierungserfahrungen und nicht aus ihrem Herzen.
Bsp.:
Marius (38 Jahre) ist in einem strengen Elternhaus groß geworden. Es galten starre, enge Grenzen, die mit Strafen durchgesetzt wurden. Als Marius Vater wird, will er seine Kinder anders erziehen. Er möchte ihnen keine Grenzen setzen.
Marius wählt bewusst einen anderen Weg in der Erziehung als seine Eltern. Dabei bedenkt er nicht, dass dies nicht unbedingt das ist, was seine Kinder brauchen.
Den eigenen inneren Weg finden wir, indem wir unsere eigenen Erfahrungen reflektieren, sie mit unserem Verstand prüfen und dann unseren Weg in der Verbindung mit uns selbst wählen.
In den wenigsten Fällen müssen wir Entscheidungen und Erziehungswege schnell treffen. Wenn keine Gefahr besteht, können wir erst einmal innehalten und dann aus der Verbindung mit uns heraus reagieren.
Wenn wir uns an Entscheidungen oder Erziehungswegen zweifeln, kann es hilfreich sein, unterschiedliche Meinungen dazu zu hören, um dann aus der eigenen inneren Überzeugung unseren Weg zu finden.
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Selbstreflexion ist der Schlüssel
Als Eltern verändert sich oft der Blick auf die eigene Kindheit und auf das Verhalten der eigenen Eltern.
Selbstreflexion mit einem liebevollen Blick und Verständnis ist der Schlüssel, um alte Muster zu durchbrechen und den eigenen Weg zu finden. Dies ist nicht immer einfach, da uns oft Widerstand und Unverständnis von außen genauso wie aus unserem Innern begegnet.
Auch wenn wir Muster erkannt und reflektiert haben, verändern sie sich meistens nicht sofort.
Veränderung braucht Zeit, Reflexion, Geduld und bewusst veränderte Handlungen. Langsames Wachsen ist nachhaltiger als schnelle Veränderung. Wie ein Baum, langsam wächst und ein tragendes Wurzelgeflecht und starken Stamm aufbaut. Im Gegensatz dazu der Baum der in die Höhe schießt und den der erste Sturm umwirft.
Übung:
Einen ruhigen und ungestörten Zeitpunkt auswählen. z. Bsp. Abends.
In Gedanken noch einmal durch den Tag gehen und sich die Situationen anschauen, in denen wir gerne anders reagiert hätten. Wir schauen uns die Situation aus verschiedenen Blickwinkeln an, nehmen die unterschiedlichen Perspektiven der beteiligten Personen ein und nehmen unsere Gefühle und Gedanke wahr. Wichtig ist, dies alles wie ein Beobachter wahrzunehmen und ohne zu bewerten. Anschließend überlegen, wie wir gerne reagiert hätten.
Wenn wir dies regelmäßig machen, wird unser Gehirn mit der Zeit die neuen Verhaltensmuster umsetzen und in ähnlichen Situationen darauf zurückgreifen.
Dabei sollten Eltern mit sich selbst verständnisvoll umgehen und kleine Veränderungen bereits wertschätzen.
Hinterher Situationen heilen
Immer wieder wird es Augenblicke geben, in denen Eltern anders reagieren, als sie es spüren oder wollten. Kinder brauchen keine perfekten Eltern, sondern Eltern, die sich nach solchen Situationen bei ihrem Kind entschuldigen können, die dem Alter und der Entwicklung gemäß mit dem Kind das eigene Verhalten reflektieren.
Kinder brauchen Eltern, ….
- die sich selbst in Frage stellen
- die kritische Worte der Kinder als eigene Wachstumschance sehen
- die Fehler zugeben können
- sich mit den Kindern weiterentwickeln.
- die ehrlich mit sich selbst sind
- die das eigene Idealbild in Frage stellen können
- die das leben, was sie sich von ihren Kindern wünschen
- die die Kinder in ihrer Einzigartigkeit sehen
- die ihnen zeigen, dass sie geliebt werden und wichtig sind
Stolpersteine der Eltern
Verdrängen der eigenen Schwächen und Muster:
Bewusst werden bedeutet, sich die eigenen Schwächen und Stärken anzusehen und sie erst einmal zu akzeptieren. Erst im zweiten Schritt können wir unsere Schwächen umwandeln indem wir bewusst anders handeln.
Wenn wir unsere Schwächen verdrängen, statt sie uns anzusehen und zu akzeptieren, beeinflussen sie unbewusst unsere Handlungen und Einstellungen.
Festhalten am Idealbild von sich selbst:
In der Regel wollen Eltern nur das Beste für ihre Kinder und ihnen das Beste mitgeben. Es schmerzt, wenn wir erkennen, dass wir an unsere Grenzen stossen, unsere Fehler sehen und erleben, dass unsere besten Absichten nicht immer den Kindern gut tun oder von ihnen sogar abgelehnt werden.
Wenn wir das Idealbild von uns selbst nicht in Frage stellen, verschleiert das unseren Blick auf die Realität und verhindert die Verbindung zum Kind.
Das Idealbild sollte nicht verwechselt werden, mit einer Idealvorstellung von uns, die wir erreichen wollen.
Getreu dem Motto „werde die /der du sein willst“, kann eine Idealvorstellung, solange sie nicht zwanghaft und streng verfolgt wird, uns im Laufe der Zeit zu einer besseren Version von uns werden lassen.
Sich selbst verurteilen
Bei aller Selbstreflektion und dem Bewusst an sich arbeiten ist es sehr wichtig, dass wir mit uns selbst verständnisvoll umgehen und wissen, dass Entwicklung ein lebenslanger Prozess ist. Perfektionismus und Strenge verhindern die Verbindung zu uns und mit anderen Menschen. Sich öffnen, Schwächen und Fehler zugeben schafft Verbindung.
Kinder beobachten und imitieren auch, wie wir mit uns selbst umgehen.
Der neugierige Blick
Freude an der eigenen Entwicklung haben und dieser mit Neugier begegnen. Wenn wir und selbst erkennen und entdecken, öffnen wir immer wieder neue Türen in uns. Wir erkennen neue Seiten an uns und merken wie vielfältig wir Menschen sind.
Vor allem erfahren wir, dass jeder Mensch alles in sich trägt, schöne Seite genauso wie Abgründe. Je nach Lebenssituation werden unterschiedliche Seiten in uns hervorgerufen. Doch letztendlich bestimmen wir welchem Ton in uns wir Gehör schenken und leben wollen.

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