Mut wird aus Angst geboren, denn mutig sein heißt, die eigene Angst zu überwinden.
Alle Gefühle gehören zum Leben dazu. Sie machen uns auf etwas aufmerksam. Wir sollten sie nicht verteufeln oder wegschieben, sondern statt dessen schauen, wozu sie uns dienen und worauf sie uns hinweisen wollen.
Einen Beitrag speziell zur Wut findet ihr hier
In diesem Artikel möchte ich mich dem Gefühl Angst widmen, speziell mit den Kinderängsten und wie Eltern sie gut begleiten können.
Eltern sind Vorbilder, daher finden in diesem Beitrag ebenfalls ihre Ängste einen Platz. Wie kleine Seismographen nehmen Kinder die Schwingungen und Stimmungen ihrer Eltern wahr und saugen sie auf. Kinder sind Spiegel ihrer Eltern, Näheres dazu findet ihr hier. Daher lohnt es sich für die Eltern, sich die eigenen Ängsten bewusst zu machen. Dinge, die uns nicht bewusst sind, lösen sich nicht auf, sondern wirken und beeinflussen uns unbewusst.
Mit den Gefühlen, die uns bewusst sind können wir uns auseinandersetzen.
Ursachen der Angst und diese überwinden
Entwicklungsängste
Ängste gehören zur Entwicklung dazu. Sie treten in bestimmten Entwicklungsphasen auf. z.B. Fremdeln und Trennungsangst am Ende des 1. Lebensjahres. Eltern sollten diese Ängste ernst nehmen, den Kindern Sicherheit vermitteln und die Entwicklungsübergänge ( z. B. Kita eingewöhnung ) sanft gestalten und dem Tempo der Kinder anpassen. Kuckuckspiele helfen den Kindern zu erkennen, dass Menschen auch wenn sie nicht sichtbar sind, nicht weg sind.
Für Kinder ist es wichtig, ihre Eltern als verlässlich und sicher zu erleben. Diese Verlässlichkeit und Sicherheit erlangen sie, wenn Eltern sich immer verabschieden, wenn sie woandershin gehen. Oft erscheint es Eltern leichter, wenn sie einfach gehen, damit das Kind keinen Abschiedsschmerz erfährt. Doch auch das Abschiednehmen und der damit vorhandene Abschiedsschmerz gehört zum Leben dazu. Kinder lernen ihn auszuhalten, damit umzugehen und erfahren das Gefühle kommen und gehen. Außerdem lernen Kinder, dass sie wissen, wo sich ihre Eltern befinden.
Die Eltern sollten kein Drama daraus machen. Gut ist es eher, sich bewusst und klar zu verabschieden. Oft hilft es den Abschied zu ritualisieren.
Bsp.: Seit Nora zwei Jahre alt ist, wird sie einmal in der Woche von ihren Großeltern betreut. Die Eltern haben von Anfang an ein Abschiedsritual eingeführt, dass sie dem Alter ihrer Tochter anpassen. Anfangs haben die Großeltern nachdem die Eltern sich verabschiedet haben, mit Nora noch am Fenster gewunken. Inzwischen verschwindet Nora in der Regel direkt mit ihrem Opa im Garten und hilft ihm. Die Eltern haben ihr Ritual daher verändert und verabschieden sich, bevor die beiden in den Garten gehen.
Gewohnte Wege verlassen
Ängste werden freigesetzt, wenn wir gewohnte Wege verlassen. Dies trifft auf kleine Veränderungen, genauso wie auf größere zu. In der Regel sind die Ängste jedoch bei kleinen Veränderungen kleiner. Daher lohnt es sich, kleine Gewohnheiten, immer mal wieder zu verändern, um Angst freizusetzen. Je häufiger wir Ungewohntes wagen, desto kleiner wird die Angst, desto leichter fällt es, mutig zu sein.
Ängste zeigen unsere Grenzen
Erlernte oder selbst aufgestellte Grenzen umgeben uns. Genauso wie bestimmt Glaubenssätze, die uns einengen oder zwanghaft werden lassen. Wenn wir diese erweitern, stossen wir in unbekanntes Terrain vor, welches Ängste bei uns auslösen kann. Auch hier hilft es, mit kleineren Grenzen anzufangen, um Ängste Schritt für Schritt freizusetzen.
Kontrollverlust
Situationen und Menschen einordnen zu können, schenkt oft Sicherheit. Menschen, die ein starkes Sicherheitsbedürfnis haben, fällt es schwer, loszulassen und dem Leben seinen Lauf zu lassen. Gerade wenn wir Kinder begleiten, ist es wichtig, diese Schritt für Schritt in ihr eigenes Leben zu entlassen. Für die Entwicklung des Kindes / Jugendlichen ist es wichtig zu lernen, sich selbst kennenzulernen, eigene Entscheidungen zu treffen und den eigenen Weg zu finden. Dies kann bei Eltern Ängste hervorrufen, wenn sie nicht mehr kontrollieren können, mit wem und wo ihr Kind / Jugendlicher unterwegs ist. Je älter die Kinder werden, desto mehr müssen die Eltern auf sich, ihre Kinder und das Leben vertrauen, dass sie ihren Kindern das nötige Rüstzeug mitgegeben haben, damit Kinder ihre eigenen Herausforderungen des Lebens meistern können.
Angst vor Gefahren
Dann gibt es die Angst, die vor bedrohlichen Situationen warnt. Eltern haben die Verantwortung ihr Kind vor großen Gefahren zu schützen. Manchmal entstehen diese Ängst jedoch auch, wenn die Gefahr klein ist und das Kind die Situation zum Lernen benötigt. Hier ist es gut, wenn Eltern unterscheiden, ob es eine reale Angst ist oder eine Situation, die ihr Kind unbeschadet bewältigen kann. Über diese Ängste, die in einem Elternteil begründet sind, findet ihr weiter unten im Beitrag bei den Stolperfallen weitere Informationen.
Bsp.:
Die 5 jährige Anna beherrscht ihren Roller perfekt. Elegant rast sie im Park die Wege entlang. Der Mutter wird immer Angst und Bang, wenn sie ihre Tochter den Weg entlang rasen sieht. Doch sie weiß, wie wichtig diese Fahrten für ihre Tochter sind und dass sie mit Helm vor großen Gefahren geschützt ist.
Am liebsten würde die Tochter mit dem Roller auch in die Kita fahren. Der Bürgersteig führt jedoch an einer großen Straße entlang und die Mutter weiß, dass ihre Tochter noch nicht in der Lage ist, Gefahren einzuschätzen. Daher bleibt der Roller auf dem Weg in die Kita zuhause.
Negative oder traumatische Erfahrungen
Aufgrund von negativen oder traumatischen Erfahrungen können Ängste in ähnlich auftretenden Situationen auftauchen. Die Erfahrung wird in unserem Gehirn gespeichert und in ähnlichen Situationen abgerufen. Dies gilt für Kinder wie für Erwachsene.
Hier hilft es Kindern, wenn sie negative empfundene Situationen immer wieder erzählen dürfen. Wie eine hängende Schallplatte wiederholen Kinder immer wieder vor ihren Eltern was sie erlebt haben. Das Erzählen sollte von den Kindern ausgehen. Eltern sollten sie erzählen lassen. Durch Erzählen können sich belastende Erfahrungen auflösen. Durch ein behutsames Heranführen und Begleiten durch nachfolgende ähnliche Situationen können diese Ängste manchmal wieder aufgelöst werden. In manchen Fällen hilft nur Hilfe von außen, durch Therapeuten.
Auch uns Erwachsenen kann es helfen, wenn wir unangenehme Erfahrungen uns innerlich immer wieder erzählen, bis sie uns langweilen. Die Grenze zum Grübeln ist allerdings sehr dünn. Grübeln verhindert eher Heilung.
Im Spiel verarbeiten Kinder viele Erfahrungen und üben neue Verhaltensmuster ein. Daher brauchen Kinder viel freie Zeit zum spielen oder sich langweilen, um Situationen zu verarbeiten.
Eltern sollten in der Erziehung niemals ihren Kindern drohen. Außerdem sollten sie auch nie aus Spaß ihren Kindern Angst machen. Kinder nehmen die Worte ihrer Eltern ernst, da sie ihren Eltern blind vertrauen.
Bsp.:
- Wenn du jetzt nicht kommst, gehen wir alleine.
- Wenn du soviel isst, sind wir irgendwann arm und haben nichts zu essen mehr.
- Böse Kinder holt die Polizei und sperrt sie ein
Kinder sind von ihren Eltern abhängig. Wenn sie ignoriert werden oder das Gefühl vermittelt bekommen, verlassen zu werden oder nicht geliebt zu werden, wenn sie sie selbst sind, passen sie sich aus Angst an. In diesem Fall verlernt das Kind auf die eigene innere Stimme zu hören und die Angst verhindert Wachstum.
Druck und Stress können Angst machen
Bei Druck und Stress schaltet unser Gehirn auf Autopilot und wir verlieren schnell die Verbindung zu uns selbst. Dies kann sich anfühlen, als ob sich unser Gehirn in einem Tunnel befindet. Darunter leidet das Gedächtnis und die Möglichkeit, Lösungen zu erkennen.
Kindern kann es Druck machen, wenn sie ständig kritisiert und auf Fehler aufmerksam gemacht werden. Aus der Angst heraus, etwas falsch zu machen, ziehen sie sich zurück oder werden gereizt und wütend.
Daher sollten Eltern mehr auf die Stärken ihres Kindes achten und diese hervorheben und Kritik in Form von Feedback wohldosiert anwenden.
Entscheidungen treffen kann Angst machen
Diese Angst kann entstehen, wenn wir Angst haben, die falsche Entscheidung zu treffen oder Entscheidungen, die anstehen verweigern. Meiner Ansicht nach gibt es keine falsche Entscheidung, wenn sie mit dem Herzen getroffen wird. Es gibt verschiedene Wege, die wir im Leben gehen können und alle führen uns zu uns selbst.
Kinder lernen erst noch Entscheidungen zu treffen. Hier ist es gut, wenn Eltern ihre Wahl bestätigen und bestärken, sollten sie ins Zweifeln kommen.
Es versteht sich von selbst, dass die Aussagen „ich habe es dir doch gleich gesagt“ oder „hättest du mal auf mich gehört“ der Entscheidungsfindung im Wege stehen. Besser ist es, dem Kind zu helfen, das Ergebnis der Entscheidung zu korrigieren, wenn das Kind damit nicht zufrieden ist. So lernt das Kind, das Entscheidungen durchaus korrigiert werden können. Zu häufiges Wechseln einer Entscheidung verunsichert jedoch, deshalb sollten Eltern genau prüfen, ob sie das Kind besser bestätigen, dass es eine gute Entscheidung getroffen hat oder eine Korrektur den wesentlichen Lernpunkt für das Kind darstellt.
Ängste der anderen spüren
Gerade Kinder und sensible Menschen spüren stark die Gefühle anderer Menschen. Dies kann verunsichern und an unsere Gefühlswahrnehmung andocken, wenn wir nicht bewusst bei uns bleiben. Gerade Kinder nehmen sehr genau unsere Mimik und kleinen Reaktionen wahr. Kinder sind noch ganz offen. Sie haben noch nicht gelernt, sich von anderen abzugrenzen.
Eltern sollten sich daher ihre eigenen Ängste bewusst machen und den Kindern gegebenfalls mitteilen, dass sie selbst auch gerade aufgeregt sind, ohne den Kindern Angst einzureden. So erfahren die Kinder das ihre Wahrnehmung stimmt und sie erleben, dass ihre Eltern auch Menschen mit Gefühlen sind. Im Idealfall erleben sie, wie Eltern konstruktiv mit ihrer eigenen Angst umgehen.
Nachrichten und andere Medien
Die Welt ist vernetzter geworden und die Nachrichten sind voll mit neagtiven Schlagzeilen. Eltern, die sich informieren wollen, sollten dies tun, wenn die Kinder nicht anwesend sind. Denn auch hier besteht wieder die Gefahr, dass die Kinder die negativen Energien aufnehmen und dass in ihnen das Gefühl entsteht, die Welt ist ein gefährlicher Ort.
Herausforderungen im Leben begegnen wir leichter, wenn wir Vertrauen ins Leben haben.
Auf der anderen Seite ist es gut, wenn die Eltern über Ängste der Kinder in Bezug auf das Weltgeschehen reden. Hier ist es wichtig, entwicklungs- und altersgerecht darüber zu sprechen. Wenn die Kinder fragen, nur die jeweilige Frage der Kinder kurz beantworten und die Kinder nicht mit langen und ausführlichen Erklärungen überfordern. Kinder können meist sehr gut einschätzen, was sie an Antworten vertragen können und fragen gegebenenfalls weiter.
Stolperfallen der Eltern
Eigene Kindheit
Erfahrungen aus der eigenen Herkunftsfamilie beeinflussen unsere Sicht und unseren Umgang mit der Angst.
Haben wir die Welt als etwas bedrohliches kennengelernt? Waren unsere Eltern / Bezugspersonen verlässlich? Wurde in den ersten Lebensjahren meistens angemessen auf unsere Bedürfnisse eingegangen?
Wurden wir bestraft, kleingehalten, beschämt, ständig kritisiert oder ignoriert? Erfahrungen, die wir in unserer Kindheit gemacht haben, beeinflussen unsere späteren Glaubenssätze.
War die Erziehung kritisch und fehlerorientiert oder unterstützend und warmherzig?
Dabei geht es nicht um eine Schuldzuweisung, sondern darum die eigenen Muster und Glaubenssätze zu erkennen, um sie in der Begleitung unserer eigenen Kinder zu durchbrechen. Die Lösung liegt auch hier wieder in der Reflektion und bewusst werden von vergangenen Mustern.
Der Wunsch, Kinder zu beschützen
Als Eltern will man sein Kind beschützen. Dies ist ein wichtiger Wunsch und es ist durchaus auch in der elterlichen Verantwortung, sein Kind vor großen Gefahren zu beschützen. Doch genauso wichtig ist es für Kinder, an kleinen Gefahren und Hindernissen zu wachsen. Denn jemand der weiß, dass er Konflikte und Hindernisse bewältigen kann, entwickelt mehr Selbstvertrauen und Selbstbewusstsein.
Dies trifft sowohl auf Körper- und Bewegungserfahrungen zu, wie auch auf emotionale Erfahrungen. Wenn wir unseren Kindern bei emotionalen Problemen begleitend zur Seite stehen und sie dabei unterstützen, ihre eigenen Lösungen zu finden, erlangen sie Vertrauen in die eigenen Fähigkeiten und erleben sich als selbstwirksam.
Bei Eltern, deren größter Wert Sicherheit ist und das Vermeiden von Gefahren, besteht die Gefahr, dass sie ihr Kind kontrollieren und daran hindern, selbstständig zu werden.
Eltern sollten sich diese Angst bewusst machen. Durch den Austausch mit anderen können die Eltern ihren Blickwinkel erweitern und in kleinen Schritten lernen, Kindern nach und nach entwicklungsgerecht, mehr Selbstständigkeit zuzugestehen.
Das gleiche gilt für Eltern, die meinen, sie wüssten immer was für ihre Kinder das Beste ist. Eltern, die ihre Kinder in die eigenen Vorstellungen und Erwartungen vom Leben pressen wollen. Bei diesen Eltern kann Angst entstehen, wenn Kinder eigene Wege gehen und somit dem Bild und / oder der Vorstellung der Eltern nicht mehr entsprechen und die Eltern das Gefühl haben, Situationen und ihre Kinder nicht mehr kontrollieren zu können.
Oft laufen diese Erwartungen und Glaubenssätze in Eltern unbewusst ab. Es lohnt sich, genau hinzuschauen, dem Kind zuzuhören und hinter die Angst zu sehen. Hinter die Ursache der Angst zu kommen. Außerdem lohnt sich immer wieder die Frage, ist es mir für mich wichtig oder tut es meinem Kind gut.
Bsp.: Eltern wollen, dass ihr Kind das Gymnasium besucht, Abitur macht und studiert. Das Kind dagegen hat wenig Freude am Lernen und möchte lieber etwas Handwerkliches machen.
Gerade in der Pubertät, wenn die Kinder sich Freunden anschließen, die den Vorstellungen der Eltern nicht entsprechen. Ebenso wenn das bis dahin „brave“ Kind in der Pubertät anfängt, zu rebellieren und zu diskutieren. Wichtig ist es hier, das Kind ernst zu nehmen, mit dem Kind den Kontakt und vor allem die Beziehung zum Kind zu erhalten.
Durch ehrliche Reflektion sich selbst gegenüber können Eltern diese Ängste entlarven und auch hier wieder prüfen, ist ein reale Gefahr vorhanden oder kann das Kind aus der Situation lernen und kann ich als Elternteil vielleicht daraus auch etwas lernen.
Unsere Sicht auf die Angst
Unsere Sicht auf das Kind und seine Gefühle beeinflusst unsere Einstellung.
Wenn wir die Angst als Schwäche sehen und etwas das vermieden werden sollte, geraten wir in Gefahr den Kindern die Ängste abzusprechen und die Angst als Zeichen der Schwäche zu bewerten.
Sehen wir die Angst dagegen als zum Leben gehörend, stärken wir die Kinder darin, diese zu überwinden und mit der Angst umzugehen.
Eigene Hilflosigkeit
Im Erziehungsalltag stossen Eltern immer wieder an ihre Grenzen.
Momente in denen Eltern nicht wissen, wie sie reagieren wollen oder sich fragen, wie sie reagieren sollten, um ihrem Kind das Beste mit ins Leben zu geben.
Außerdem gibt es die Situationen, in denen Eltern sich von anderen Eltern und Miterziehern beobachtet und bewertet fühlen.
Genauso wie Momente in denen Eltern unter Stress stehen oder einfach erschöpft sind und selbst eine Auszeit brauchen.
Und wer kennt sie nicht, die Augenblicke in denen uns unser Kind so stark vorkommt, wenn es wütend wird, unsere Autorität in Frage stellt und wir uns selbst als hilflos erleben.
All dies sind Momente in denen wir uns als Eltern schnell hilf- und machtlos fühlen können. Hier besteht die Gefahr, dass Eltern eine schnelle und einfache Lösung suchen und dem Kind drohen. Auch wenn es im ersten Augenblick eine schnelle Lösung erscheint, dient diese Lösung weder dem Kind noch der Beziehung zum Kind. Es kann sein, dass das Kind dann macht, was die Eltern wollen, doch handelt das Kind aus der Angst heraus. Das Kind fühlt sich ausgeliefert und machtlos.
Die Lösung liegt im innehalten, sich der eigenen Gefühle bewusst zu sein und durchatmen, um sich wieder mit sich selbst zu verbinden. Aus der Ruhe heraus gehen wir angemessener mit dem Kind um. Es gibt wenige Situationen, die ein schnelles Handeln erfordern.
Doch was können Eltern tun, wenn sie doch einmal gedroht haben. Denn oft handeln wir aus der Situation heraus, gerade wenn wir selbst am Limit sind.
In diesem Fall können Eltern sich hinterher beim Kind entschuldigen und ihm ihre Handlung erklären. Eltern dürfen zugeben, dass sie selber gerade gestresst waren und nicht wußten, wie sie reagieren sollen.
Kinder brauchen keine perfekten Eltern, sondern…..
- Eltern, die sich erklären,
- Fehler und eigene Schwächen zugeben können,
- die Entscheidungen zurück nehmen können, wenn sie merken, dass sie falsch waren.
- Auch eine einmal ausgesprochene Strafe kann zurückgenommen werden, mit einer Erklärung, denn so erfährt das Kind, dass die Eltern sich reflektieren.
- Gemeinsam mit dem Kind können die Eltern überlegen, wie sie die Situation zukünftig besser lösen.
- Wenn Kinder erleben, dass Eltern, Fehler zugeben können, entsteht Verbindung.
- Wenn Kinder erleben, dass sie bei Lösungen und Entscheidungen, die sie betreffen miteinbezogen und gehört werden, erleben sie sich als selbstwirksam.
Bsp.: Marlene (12 Jahre) kommt später als vereinbart von ihrer Freundin zurück. In den Augen der Eltern hat diese Freundin einen schlechten Einfluss auf ihre Tochter. Als sie nun auch noch später als verabredet kommt, schimpfen die Eltern mit ihr. In ihrer Angst sagen sie ihr, dass sie gar nicht mehr zu dieser Freundin darf. Als die Eltern sich beruhigt haben, gehen sie zu ihrer Tochter und erklären ihre ihre Sorgen. Sie fragen ihre Tochter nach dem Grund und hören ihr zu, als sie erzählt weshalb es später geworden ist. Die ausgesprochene Strafe nehmen die Eltern zurück und überlegen stattdessen mit ihrer Tochter, was sie tun kann, wenn sie wieder einmal die Zeit verpasst.
Konstruktiver Umgang mit der Angst
Beim Kind
- alle Ängste ernst nehmen, auch wenn die Eltern sie nicht verstehen können, ohne sie zu dramatisieren. Mit den Kindern überlegen, was sie tun können, um sich sicher zu fühlen und / oder zu trauen.
- den Kindern ihre Ängste spiegeln, damit sie sich gesehen fühlen.
- Neue Situationen mit den Kindern besprechen, durchspielen
- Dafür sorgen, dass Kinder nicht zuvielen Reizen ausgesetzt sind
- Atemübungen helfen, Ängste zu nehmen. Wenn wir tief atmen beruhigt sich unser Nervensystem
- Kindern in ihrem Tempo und in kleinen Schritten an Situationen heranführen, die ihnen Angst bereiten. Bsp.: Tom ( 6 Jahre) möchte bei seinem Freund Karl übernachten. Obwohl der Wunsch groß ist, hat er Angst, alleine dort zu bleiben. Die Eltern unterstützen ihn bei dem Wunsch und sichern ihm zu, dass er sie anrufen kann und sie ihn abholen, wenn er es sich anders überlegt. Dies geschieht auch einige Male. Tom ruft an, bevor sie ins Bett gehen und seine Eltern holen ihn ab ohne dies zu kommentieren. Dadurch fasst Tom Vertrauen und weiß, dass er die Situation kontrolliert. Aus dieser Sicherheit heraus, traut sich Tom bald, bei seinem Freund zu übernachten und ist hinterher stolz auf sich.
- Kinder dabei unterstützen, eigene Lösungen zu finden.
- dem Kind etwas zutrauen, es alters- und entwicklungsangemessen fordern.
- statt es vor neuen Situationen oder Konflikten zu beschützen, es dabei begleiten und bestärken, diese zu bewältigen.
Bei den Eltern
- sich die eigenen Ängste bewusst machen
- auch bei den Eltern dürfen alle Gefühle sein und können achtsam dem Kind mitgeteilt werden
- Kindern entwicklungsgerecht und achtsam von den eigenen Ängsten erzählen und sie an der Überwindung teilhaben lassen.
- die eigene Angst behutsam in Schritten überwinden
- öfter mal die Komfortzone verlassen.
Kinder stärken
Kinder, die wissen, dass sie Hindernisse, Gefahren und Konflikte durchstehen und überwinden können, fällt es leichter, aufkommende Ängste zu überwinden.
doch wie………
- Sicher gebundene Kinder erlangen Vertrauen in sich, in ihre Eltern und ins Leben
- In einem sicheren vertrauten Umfeld fällt es leichter, Neues auszuprobieren
- Kindern die Möglichkeit geben, sich selbst auszuprobieren
- Kinder bestärken,
- viel alleine machen lassen, damit sie Selbstvertrauen und Selbstbewusstsein aufbauen können.
- Kindern etwas zutrauen, Kinder spüren, ob Eltern ihnen etwas zutrauen oder nicht
- fordern nicht über- oder unterfordern
- Kind vermitteln, dass es so wie es ist gut ist, dass Ängste sein dürfen, dass wir sie auch überwinden können
- nicht kritisieren und drohen, lieber Feedback geben
- keine Angst machen oder drohen
- fehlerfreundliche Atmosphäre schaffen
- Eltern sollten für die Kinder verlässlich sein
- Kindern erklären, wenn sich etwas ändert,
- Kinder in Konfliktlösungen miteinbeziehen
- Rituale und eine Tagesstruktur geben Sicherheit
- Kindern einen Mutgegenstand /Talisman geben
Reminder:
Eltern sollten das Verhalten ihrer Kinder niemals persönlich nehmen. Kinder wollen ihre Eltern nicht ärgern, sondern leben das was sie spüren.
Kinder lernen erst noch die eigenen und die Grenzen anderer kennen. Sie hinterfragen Grenzen, um die Verlässlichkeit der Eltern zu prüfen. Mehr zum Thema Grenzen findet ihr Hier
Kinder zeigen ihre Grenzen auf, weil sie für sich einstehen.
Ängste lähmen, deshalb hilft es, aktiv zu werden. Nichtstun lässt eher grübeln
Je älter Kinder sind, desto mehr wollen sie sich fordern, sie wollen ihre Grenzen kennenlernen und mit Ängsten auseinandersetzen. Gerade in der Pubertät wird dies deutlich. Wenn Eltern dies merken, können sie Aktivitäten planen, in denen die Kinder sicher an ihre Grenzen herangeführt werden. (Bsp.: als meine Tochter in die Pubertät kam, nahmen wir an einer Veranstaltung einer Stuntschule teil. Die Jugendlichen durften unter Aufsicht Stunts durchführen mit Sicherung. Weitere Möglichkeiten sind das Klettern unter Aufsicht…)
Das freie Spiel ist für Kinder sehr wichtig. Dabei lernen sie sich mit Ängsten auseinanderzusetzen, diese zu verarbeiten und zu überwinden.
Kindern begegnen im Lauf ihrer Kindheit viele Gefühle. In einer vertrauten und sicheren Umgebung lernen sie diese Gefühle kennen und mit ihnen umzugehen.
Sich bewusst machen, dass wir aus der Verbindung mit uns selbst gehen, wenn wir in der Angst sind. Darauf achten, immer wieder bei sich selbst anzukommen, denn dann bleiben wir in der Verbindung mit uns selbst. Aus dieser Verbindung heraus ist es leichter, Ängste zu überwinden.

Schreibe einen Kommentar
Du musst angemeldet sein, um einen Kommentar abzugeben.